Mein Name ist Maria Sparber. Ich bin Ombudsfrau der Diözese Bozen Brixen und des Klosters Muri Gries. Ich danke allen, die den Mut gefunden haben, sich zu melden und von ihren negativen Erfahrungen mit Ordensbrüdern zu erzählen. Es ist ein wichtiger Schritt, das Erlebte, das oft viele Jahre im Verborgenen bleibt – und dort wirkt – an die Oberfläche zu holen, um es verarbeiten und besser in das eigene Leben integrieren zu können.
Zwei Betroffene haben sich einverstanden erklärt, ihre Geschichte in anonymisierter Form zu veröffentlichen, um eventuell weiteren Betroffenen Mut zu machen, den Schritt zur Anlaufstelle zu wagen.
“In den 90er Jahren – ich war 13 oder 14 Jahre alt – war ich bei Bruder Leonhard in der Krippenwerkstatt. Unter dem Vorwand, er hätte eine Hose für mich, hat er mich in die Schneiderei des Klosters gebracht. Dort hat er die Hose an meinen Körper gehalten, vorgeblich um sie mir anzuprobieren, und hat mich dabei unter meiner Kleidung im Intimbereich berührt. Ich war starr und wehrlos ausgeliefert. Eine unendliche Erleichterung spürte ich, als er endlich von mir abließ.
Ich habe das Ereignis mehr als 30 Jahre lang niemandem anvertraut, auch nicht meiner Frau. Erst nachdem ich begonnen habe, davon zu erzählen, habe ich gelernt, das Ereignis richtig einzuordnen. Zum ersten Mal habe ich mich über den Täter geärgert, anstatt das Ereignis herunterzuspielen und zu bagatellisieren. Es war ein absichtlicher, geplanter Übergriff. Ich war ihm schutzlos ausgeliefert und er hat meine Wehrlosigkeit für seine sexuellen Fantasien ausgenutzt. Ich erzähle meine Geschichte, weil ich es kann und weil ich hoffe, dass sie andere Betroffene ermutigt, sich zu öffnen, damit sie die Hilfe bekommen, die sie brauchen.”
“Ich habe in den 60er Jahren die Mittelschule Adalbert Stifter in Bozen besucht. Ein Priester von Muri Gries war dort Religionslehrer.
Wenn wir Schülerinnen im Religionsunterricht etwas sagen wollten bzw. etwas gefragt wurden, mussten wir nach vorne zum Pult gehen und zur Klasse sprechen. Als ich an der Reihe war, habe ich plötzlich die Hand des Priesters zwischen meinen Beinen gespürt.
Ich habe den Übergriff zu Hause meinen Eltern erzählt. Diese waren sehr aufgeschlossen, als Kind durfte ich alles sagen, es gab keine Tabus. So haben sie meinen Bericht angehört und ernstgenommen. Sie sind in die Schule gegangen und haben den Vorfall der Direktorin gemeldet. Sie wollten keinen Skandal provozieren, haben aber klargelegt, dass die Tochter in Zukunft während des Religionsunterrichts zwar in der Klasse bleiben, sich aber nicht mehr am Religionsunterricht beteiligen würde.
Ich habe keinen Schaden davongetragen und bin überzeugt, das ist Verdienst meiner Eltern, die mich angehört, mir geglaubt und dann interveniert haben.”
Frau N.N. legt Wert darauf, dass die Verantwortung der Eltern stärker betont wird. Denn Eltern können mit ihrem Verhalten dazu beitragen, dass Missbrauchserfahrungen nicht zum schweren Trauma werden.
Sollten auch Sie unangemessenes, grenzüberschreitendes Verhalten bzw. sexuelle Übergriffe durch ein Mitglied des Ordens von Muri Gries erfahren haben, lade ich Sie ein, sich zu melden. In geschütztem Rahmen können Sie, unter Wahrung der Privatsphäre, von ihren Erfahrungen erzählen und mit mir gemeinsam überlegen, welche weiteren Schritte hilfreich sein könnten, um das Erlebte verarbeiten zu können.
Sie können sich telefonisch oder per Email bei mir melden, um einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Hier meine Kontaktdaten:
Maria Sparber
Ombudsstelle.sportello@bz-bx.net
Tel. 348 376 3034